Vorher Nachher: Vom Rohbau zum Mitarbeiterrestaurant
- 13. Apr.
- 2 Min. Lesezeit
Wenn Struktur Atmosphäre schafft
Manchmal beginnt ein Projekt mit einem wunderbaren Raum, der eigentlich alles hat und gleichzeitig eine große Herausforderung darstellt. Der Neubaukomplex einer Hamburger Privatbank im Ipanema Quartier der City Nord bringt beeindruckende architektonische Qualitäten mit: Eine geschwungene Glasfassade, großzügige Raumvolumina und Deckenhöhen von bis zu sechs Metern, fast ständig lichtdurchflutet. Doch genau diese Großzügigkeit formuliert gleichzeitig die planerische Herausforderung: Offene Volumen entfalten schnell eine hallenartige Wirkung. Die zentrale Frage lautete daher, wie sich aus architektonischer Weite ein Raum mit Aufenthaltsqualität entwickeln lässt.
Raumkörper, die Orientierung schaffen & Struktur statt loser Möbel
Große Räume lassen sich nicht einfach möblieren – sie müssen strukturiert werden. Im Mitarbeiterrestaurant „1590“ einer Hamburger Privatbank geschieht dies über eine klare Zonierung: Unterschiedliche Sitzbereiche, präzise gesetzte Raumkörper und eine Möblierung, die bewusst unterschiedliche Sitzsituationen zulässt. Gruppentische für gemeinsames Essen oder kurze Meetings stehen neben kleineren Rückzugsorten. Lounge-Situationen wechseln sich mit klassischen Tischplätzen ab. Wer kurz alleine Kaffee trinken möchte, findet ebenso einen Platz wie ganze Teams, die sich zum Austausch treffen.
Zwei freistehende Meetingboxen sind präsent im Raum platziert und übernehmen mehrere Funktionen zugleich: Sie strukturieren Laufwege, schaffen räumliche Orientierung und bieten gleichzeitig Rückzugsorte für Besprechungen. Die Boxen wirken wie kleine architektonische Häuser im Raum – offen genug, um Teil des Ganzen zu bleiben, und geschlossen genug, um Ruhe zu ermöglichen.
"Das neue Mitarbeiterrestaurant ist ein Ort für Pause, Austausch und Alltag. Ein Raum, der eigentlich eine Halle ist, wie eine Kantine funktioniert, aber den Charakter eines Restaurants hat."
Materialien, die Atmosphäre kreieren
Ein entscheidender Beitrag zur Raumwirkung entsteht über die Materialität: Bankanlagen ziehen sich als verbindendes Element durch den Gastraum und sind doch in vielen Details unterschiedlich ausgeführt. Teilweise gefliest, teilweise mit hölzerner Riffelstruktur versehen, entstehen kleine Variationen, die dem Raum Tiefe geben. Gerade in großen Räumen sind es diese handwerklichen Details, die Atmosphäre schaffen. Materialien werden spürbar – sie bringen Haptik, Wärme und eine ruhige Wertigkeit in die Architektur.
Gemeinschaftsverpflegung ohne Kantinengefühl
Ein zentrales Thema des Projekts war die Organisation der Verpflegung.
Bis zu 200 Gäste nutzen das Restaurant gleichzeitig, die Abläufe müssen effizient funktionieren, ohne dass der Raum gestalterisch zu einer nüchternen Speisenausgabe wird. Anstelle eines typischen Edelstahl-Körpers erinnert das Ensemble eher an eine offene Küche: Industrieverglasungen, klar strukturierte einzelne Stationen und Einblicke in die Zubereitung geben dem Bereich den Charakter einer zu-Hause-Küche. Wandfliesen mit Haptik und eine gebürstete Natursteinarbeitsplatte wirken dem kühlen und cleanen Charakter der Großküche entgegen.
Café mit Funktion & persönlicher Note
Die Café-Situation ist mit einer angrenzenden hauseigenen Patisserie verbunden. Der Handwerkscharakter und die persönliche Note der Privatbank sollten hier auch gestalterisch besonders im Fokus stehen. Das funktionale Rückbuffet ist in Anlehnung an ein großzügiges Bibliotheksregal gestaltet. So entsteht ein subtiler Übergang vom funktionalen Arbeitsbereich des Tresens zu den Sitzbereichen, in denen das Regal mit Kunst, Pflanzen und Dekoration bestückt ist.
















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