Franchise-Design in der Gastronomie
- 14. März
- 4 Min. Lesezeit
Wiedererkennung und Weiterentwicklung
am Beispiel der New York Bagel Bar

Franchise-Design in der Gastronomie
Zwischen Wiedererkennung und Weiterentwicklung
Franchisekonzepte leben von Klarheit. Gäste erwarten Verlässlichkeit. Sie möchten eine Marke sofort erkennen, in Qualität, Atmosphäre und Gestaltung. Gleichzeitig gleicht kein Standort dem anderen. Gebäude unterscheiden sich in Struktur, Grundriss, Deckenhöhe, Fassadengestaltung und Lage. Jede Stadt bringt ihren eigenen Kontext mit.
Die Herausforderung im Franchise-Design liegt deshalb nicht im Kopieren eines bestehenden Konzepts. Entscheidend ist die präzise Übersetzung einer klar definierten Marken-DNA in einen neuen räumlichen Zusammenhang. Es geht darum, die ausschlaggebenden Gestaltungselemente beizubehalten, damit die Marke erkennbar bleibt, und diese gleichzeitig um Elemente zu ergänzen, die den jeweiligen Standort widerspiegeln.
Hier setzt die Arbeit von HINSCHE GastroDesign an. In der Planung werden Marke, Betrieb, Architektur und Grundrissstruktur gemeinsam analysiert. Ziel ist eine Lösung, die Wiedererkennung schafft und gleichzeitig auf Architektur, Nutzung und Umgebung reagiert. Gerade darin liegt die Qualität im Franchise-Interior: in der Balance zwischen einem klaren gestalterischen Rahmen und einer individuellen, standortbezogenen Ausarbeitung.
Die Marken-DNA als räumliches Grundgerüst
Bei der New York Bagel Bar ist diese gestalterische DNA klar definiert. Wiederkehrende Elemente bilden das räumliche Grundgerüst jeder Filiale und sichern den Wiedererkennungswert der Marke.
Dazu gehören die Klinkerwand mit Neon-Sign, die Skyline-Tapete, loftartige Raumteiler sowie Tresenfront und Tischplatten in Fischgrät-Holz. Industrie-Pendelleuchten und charakteristische Stühle ergänzen das Bild. Die gelbe Siebträgermaschine bildet als bewusst gesetztes Element das visuelle Zentrum im Raum. Auch Wandspiegel kommen in mehreren Stores zum Einsatz und gehören damit ebenfalls zur wiederkehrenden Gestaltungssprache.
Diese Bestandteile sorgen dafür, dass Gäste die Marke sofort erkennen. Gleichzeitig geben sie einen klaren Rahmen vor, innerhalb dessen sich einzelne Filialen weiterentwickeln können.
Die Aufgabe von Hinsche GastroDesign bestand darin, diese Elemente nicht nur formal zu übernehmen, sondern räumlich zu strukturieren und in ein funktionierendes Gastronomiekonzept zu überführen. Dazu gehörten die Organisation der Servicewege, die Positionierung von Tresen und Sitzbereichen sowie eine klare räumliche Dramaturgie im Gastraum. So entsteht aus einzelnen Gestaltungselementen ein belastbares Innenraumkonzept.
Architektur als Ausgangspunkt der Gestaltung
Gleichzeitig bringt jeder Standort eigene architektonische Voraussetzungen mit. Eine gute Gastronomieplanung beginnt deshalb immer mit der Analyse des vorhandenen Raums. Größe, Raumprogramm, Grundrissstruktur, Deckenhöhen, Fassadengestaltung sowie die konkrete Lage eines Stores beeinflussen die Planung unmittelbar.
Im Berliner Store prägen freiliegende Eisenträger, hohe Decken und ein gegossener Bestandsboden den Charakter des Gebäudes. Hinsche GastroDesign entschied sich bewusst dagegen, diese Elemente zu überdecken. Stattdessen wurde der Boden aufgearbeitet und die Tragstruktur sichtbar belassen, anstatt sie mit neuen Oberflächen zu überlagern.
Der Raum gewinnt dadurch an Authentizität. Die vorhandene Architektur wird Teil des Gestaltungskonzepts. Genau dieser Umgang mit dem Bestand macht eine Filiale individueller, ohne dass sie sich von der Marke entfernt.
Lokale Bezüge im Interior Design
Neben der Architektur spielte auch der städtische Kontext eine Rolle in der Gestaltung. Für den Berliner Standort entwickelte Hinsche GastroDesign ein neues Detail: geflieste Fensterbänke, inspiriert von den Fliesen klassischer Berliner U-Bahn-Stationen.
Dieses Element fügt sich in die bestehende Markenwelt ein und verankert den Raum gleichzeitig im lokalen Kontext. Hinzu kommt ein funktionaler Aspekt: Durch die vorhandenen Fensterbänke entstand eine neue Sitzhöhe. Daraus ergab sich die Notwendigkeit, neue Hocker zu entwickeln, die genau auf diese räumliche Situation abgestimmt sind. Auch hier zeigt sich, wie eng Gestaltung, Architektur und Nutzung zusammenhängen.
Ergänzend dazu nimmt eine künstlerische Wandgestaltung Bezug auf den Kunststil und die Street Art der Berliner Mauer. So entsteht eine zusätzliche kulturelle Ebene im Raum. Marke und Stadt treten in einen Dialog.
Unterschiedliche Filialen innerhalb eines klaren Konzepts
Ein Blick auf andere Standorte zeigt, wie unterschiedlich sich ein Franchise-Konzept räumlich entwickeln kann und wie spannend es für Gäste ist, verschiedene Filialen einer Marke zu besuchen.
Im Store Kleiner Burstah setzen Scandi-Stühle einen weicheren gestalterischen Akzent. In der HafenCity prägt eine geschwungene Glasfassade die Atmosphäre und bringt Transparenz und Tageslicht in den Gastraum. Im Westfield-Standort wird die offene Industriedecke zum prägenden räumlichen Merkmal.
Der Berliner Standort reagiert dagegen stärker auf seine industrielle Gebäudestruktur, die großzügige Raumhöhe und die spezifische Bestandssituation. In mehreren Stores kommen zudem Wandspiegel zum Einsatz, die Raumtiefe schaffen und die Gestaltung ergänzen.
Alle Filialen bleiben Teil derselben Markenwelt. Gleichzeitig entwickelt jeder Standort eine eigene räumliche Identität. Genau das macht den Besuch unterschiedlicher Stores auch aus Gastsicht interessant. Die Marke bleibt vertraut, aber jeder Ort erzählt sie auf eigene Weise weiter.
Die Rolle der Planung im Franchise-Interior
Gäste nehmen Räume ganzheitlich wahr. Wiedererkennung entsteht nicht durch das einfache Wiederholen einzelner Elemente. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Material, Proportion, Licht, Raumstruktur und Nutzung.
Genau hier liegt die planerische Leistung. HINSCHE GastroDesign versteht Franchise-Projekte als Balance zwischen Standardisierung und Individualisierung. Die ausschlaggebenden Gestaltungselemente der Marke bleiben erhalten. Weitere Elemente werden angepasst oder ergänzt, damit sie den Standort widerspiegeln und funktional sinnvoll sind.
Zu viel Einheitlichkeit wirkt austauschbar. Zu viel Individualität schwächt die Marke. Die Qualität liegt im präzisen Ausbalancieren beider Aspekte. Dafür analysierten wir nicht nur die Marke, sondern auch Raumprogramm, Arbeitsabläufe, architektonische Gegebenheiten und den Charakter des jeweiligen Standorts. Aus dieser Analyse entsteht ein Konzept, das konsistent, funktional und atmosphärisch überzeugt.
Unser Fazit
Erfolgreiches Franchise-Design entsteht nicht durch das Kopieren eines bestehenden Konzepts. Entscheidend ist die Weiterentwicklung im jeweiligen räumlichen Kontext.
Denn: Eine starke Marke gibt Orientierung.Die Architektur eines Ortes gibt Richtung.
Zwischen beiden entsteht ein Raum, der wiedererkennbar ist und gleichzeitig eigenständig wirkt. Genau darin liegt die Stärke standortbezogener Gestaltung innerhalb des Rahmens einer Franchisekette.
Das Konzept gehört zu den drei Finalisten des Start-up-Contests beim Internorga Foodservice Forum.










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